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Gewalt-Sehen-Helfen

Eine alte Frau wird in der Frankfurter Innenstadt überfallen. Es ist mitten am Tag. Auch als der Täter längst weg ist und die Frau alleine verletzt am Boden liegt, kommt niemand, um ihr zu helfen. Allein schleppt sich die Frau über die Fußgängerbrücke (Eiserner Steg) ins Krankenhaus in Sachsenhausen auf der südlichen Mainseite.

Dieser Vorfall, der sich 1997 ereignete, gab mit den Anstoß dafür, dass die Stadt Frankfurt gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Frankfurt aktiv wurde und nach Wegen suchte, das Bewusstsein für Zivilcourage in der Stadt zu stärken. Unter dem Slogan „Gewalt-Sehen-Helfen“ startet im Herbst 1997 die breit angelegte Kampagne gegen die so genannte „Unkultur des Wegschauens“, dessen Federführung der bereits 1996 gegründete Präventionsrat der Stadt Frankfurt am Main übernahm.

Neben aufwändigen Plakataktionen und öffentlichkeitswirksamen Infoveranstaltungen wendet sich Gewalt-Sehen-Helfen mit Trainingsangeboten an Bürgerinnen und Bürger, um sie zu animieren, stärker Hinzuschauen und in gewaltbesetzten Situationen kompetent und damit deeskalierend agieren zu können.

1998 beginnen die – ursprünglich auf Grundlage des Berliner Kriminalhauptkommissars Reinhard Kautz entwickelten – Seminare gegen die „Unkultur des Wegschauens“. Das pädagogische Programm wurde seit dieser Zeit kontinuierlich fortgeschrieben und weiterentwickelt. Ein pädagogischer Reader als Arbeitshilfe für Multiplikatorinnen und Multipliktoren garantiert, dass alle Kurse auf einem breiten und fachkundigen Fundament stehen

Gewalt-Sehen-Helfen Kurse finden regelmäßig statt

  • bei der Volkshochschule Frankfurt
  • bei der Geschäftselle des Präventionsrates
  • beim Bürgerinstitut
  • beim Zentrum für Familie

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“ sind die Grundlage für die weiteren Aktionen an Hessens Schulen wie z. B. cool sein – cool bleiben und PiT Hessen.

In der Zeit vom Kampagnestart (1997) bis zur Initialzündung zur hessenweiten Ausdehnung im Frühjahr 2005 konnten auf diesem Wege der weitaus überwiegende Teil der Frankfurter Bürger mit der Idee des "Gewalt-Sehen-Helfens" bekannt gemacht werden. Laut Statistik hat sich das subjektive Sicherheitsgefühl der Frankfurter dadurch deutlich verbessert.

Das Programm wurde vom Land Hessen aufgegriffen und etabliert sich in mehr und mehr hessischen Kommunen und Landkreisen als fester Teil der lokalen Präventionsarbeit. Weitere Infos unter www.gewalt-sehen-helfen.hessen.de.

Einführende Bemerkungen zur Zielsetzung der Kampagne Gewalt-Sehen-Helfen (G-S-H):

Gewalt-Sehen-Helfen möchte eine „Kultur des Hinsehens und Helfens“ fördern und deutlich machen, dass jeder Mensch unabhängig von Alter, Geschlecht, Größe oder Körperbau, in der Lage ist, in einer Gewaltsituation Hilfe zu leisten, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen.

 

Gewalt Sehen Helfen ist gewaltfrei, opferzentriert und gemeinwesenorientiert.

 Der weite, die Opferperspektive betonende Ansatz von Gewalt-Sehen-Helfen will dafür sensibilisieren,

  • möglichst frühzeitig bedrohliche Situationen wahrzunehmen
  • dem Bauchgefühl zu folgen und sich entweder selbst aus der unangenehmen Situation (dem entstehenden Magnetfeld) zu befreien (man darf einfach aufstehen, wenn einem etwas unangenehmen ist)   oder
  • anderen Menschen zu helfen, sich aus einer für sie möglicherweise unangenehmen Lage zu lösen. 

 Im Hinblick auf Deeskalation und Eigenschutz gilt:

Merksatz: Kein Einstieg ist der beste Ausstieg.

Konkret empfiehlt sich:

  • kein Körperkontakt
  • beim Sie bleiben. Dies vermittelt Respekt – an die Richtung des Angreifers und ermöglicht diesem einen Ausstieg ohne Gesichtsverlust. Gleichzeitig entsteht durch das Sie eine verbale Distanz, die wiederum bei Außenstehenden die Bereitschaft zum Helfen steigern kann.
  • Distanz herstellen
  • das Konfliktfeld wirklich verlassen, rausgehen und nicht drin bleiben oder wiederkommen. Auch nicht nach ein paar Metern stehen bleiben und wieder Blickkontakt aufnehmen.

 Merksatz: Das Einhalten bzw. Herstellen von öffentlicher Distanz ist im Konfliktfall wichtig, damit der Täter nicht sofort sein Opfer attackieren (Kopfnuss/Schläge) kann und das Opfer Raum hat, sich dem Täter zu entziehen.

 Tipps für Bedrohungssituationen

als „richtiges Opferverhalten“ wird empfohlen:

  • sofort Öffentlichkeit herstellen
  • sofort aktiv werden (nicht zulange zögern um zu Helfen)
  • deutlich zeigen, dass man nicht einverstanden ist (verbal/nonverbal)
  • nicht in der zugewiesenen Opferrolle bleiben
  • das Unerwartete, das Überraschende tun
  • sich aus der Gefahrenzone herausbewegen
  • Hilfe holen

Professionelles Helfen

Im Mittelpunkt der Kampagne zu G-S-H steht eine Aktivierung des Helferverhaltens der Bürgerinnen und Bürger im öffentlichen Raum..

Dem ideellen Ziel der Förderung von Zivilcourage können und möchten viele Menschen zustimmen. Was ihnen jedoch häufig fehlt, ist das Gefühl, kompetent und sicher (genug) zu sein, um tatsächlich couragiert auftreten zu können.
Menschen möchten helfen! Sie wissen häufig nur nicht wie

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich die potentiellen Helfer ein Skript geben und dieses in einer entsprechenden Notsituation abrufen können.

 Die im Folgenden zusammengestellten Tipps können dazu beitragen, handlungsfähig zu werden, anderen Menschen zu helfen – ohne sich dabei selbst zu gefährden:

  • sich nicht selbst als neuer Gegner anbieten
  • sich nicht an den Täter richten sondern nur an das/die Opfer
  • möglichst den Konflikt nicht direkt ansprechen
  • nicht als Schiedsrichter auftreten
  • eine Brücke zum Ausstieg bauen
  • aus der Distanz heraus agieren
  • Öffentlichkeit herstellen
  • Solidarität zum Helfen herstellen: „Schauen Sie, was da passiert! Lassen Sie uns dem Mann helfen!
  • Polizei rufen 110
  • vor Ort bleiben und sich als Zeuge anbieten
  • Opfer ansprechen und es ermuntern, das Magnetfeld des Täters zu verlassen: „Kommen Sie zu uns! Wir haben die Polizei gerufen“. Diese Aussage verunsichert den Täter und stärkt das Opfer.
  • Opfer aus dem Wahrnehmungsbereich des Täters bringen

 Fünf Stufen, die aus unbeteiligten Zuschauern Helfer machen“

  1. Die Erkenntnis: Irgendwas stimmt hier nicht!
  2. Die Interpretation: Ein Mensch braucht Hilfe.
  3. Die Bereitschaft, Verantwortung für diese Hilfe zu übernehmen. (Selbstwirksamkeitskompetenz: Ich will und ich kann es)
  4. Wahl des geeigneten Hilfsmittels
  5. Durchführung der Hilfsaktion

 

 

 




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